Ausgabe Juni 2012

Palästina denken ohne Staat

Plädoyer für ein Leben in bürgerlicher Würde

Politik ist für mich immer ein Mittel gewesen, kein Zweck. Ich sage das, weil ich im Lauf meines Lebens festgestellt habe, dass es sich bei vielen Menschen anders verhält. Schon bei den hitzigen politischen Debatten, die ich als Kind in meinem Elternhaus in Jerusalem mitbekam – Debatten mit Bekannten, Verwandten und Freunden –, und später als Erwachsener bei eigenen politischen Aktivitäten und Diskussionen wurde mir klar, dass es manchen Menschen schlicht und einfach gefällt, sich politisch zu engagieren, ganz unabhängig von den Zielen, in deren Namen sie dies angeblich tun.

Mein mangelndes Interesse daran, Politik zu machen (sprich: Politik als derartiges Spiel zu betreiben), erklärt wahrscheinlich auch mein mangelndes Interesse an einem eigenen palästinensischen Staat, sofern er nicht nur Mittel zum Zweck ist – um unser gemeinsames Wohl zu sichern oder den Zustand der Unterdrückung in einen Zustand der Freiheit zu transformieren. Ich denke, dass die Begeisterung mancher Menschen für einen palästinensischen Staat lediglich ihren Hang zum Politisieren widerspiegelt, anders gesagt, zum Verhandeln als Selbstzweck.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Alternativen zum Geist der Ausbeutung

von Mariana Mazzucato

Während das Weltwirtschaftsforum in Davos unter dem Motto »A Spirit of Dialogue« (Ein Geist des Dialogs) tagt, haben die USA die Kontrolle über die Ölinfrastruktur Venezuelas übernommen und eine »unbefristete« amerikanische Verwaltung der Erdölreserven des Landes eingerichtet.