Ausgabe Juni 2012

Palästina denken ohne Staat

Plädoyer für ein Leben in bürgerlicher Würde

Politik ist für mich immer ein Mittel gewesen, kein Zweck. Ich sage das, weil ich im Lauf meines Lebens festgestellt habe, dass es sich bei vielen Menschen anders verhält. Schon bei den hitzigen politischen Debatten, die ich als Kind in meinem Elternhaus in Jerusalem mitbekam – Debatten mit Bekannten, Verwandten und Freunden –, und später als Erwachsener bei eigenen politischen Aktivitäten und Diskussionen wurde mir klar, dass es manchen Menschen schlicht und einfach gefällt, sich politisch zu engagieren, ganz unabhängig von den Zielen, in deren Namen sie dies angeblich tun.

Mein mangelndes Interesse daran, Politik zu machen (sprich: Politik als derartiges Spiel zu betreiben), erklärt wahrscheinlich auch mein mangelndes Interesse an einem eigenen palästinensischen Staat, sofern er nicht nur Mittel zum Zweck ist – um unser gemeinsames Wohl zu sichern oder den Zustand der Unterdrückung in einen Zustand der Freiheit zu transformieren. Ich denke, dass die Begeisterung mancher Menschen für einen palästinensischen Staat lediglich ihren Hang zum Politisieren widerspiegelt, anders gesagt, zum Verhandeln als Selbstzweck.

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