Ausgabe Juni 2013

Spiel und Kapital

50 Jahre Bundesliga auf allen Kanälen: Kein Sender, keine Zeitung, die nicht in schier endlosen Serien nostalgisch zurückschaute auf die Heroen unserer Kinderjahre – von Walter und Seeler, über Beckenbauer und Breitner, bis hin zu Reus und Götze.

Und ist der Fußball nicht tatsächlich immer auch ein Abbild unserer Gesellschaft? Immerhin steckt er voller gesellschaftlich relevanter Sprachbilder: Man kann ins Abseits geraten, die rote Karte gezeigt bekommen, ein Eigentor schießen und gefoult werden. Doch immer drehen sich die zu Metaphern geronnenen Fußballausdrücke um das Regelwerk, um das faire Spiel. Dabei sind die Regeln der Fairness höchstens noch auf dem Platz einzuhalten. Das zeigt nicht nur der Fall Uli Hoeneß, sondern die Geschichte der Bundesliga an sich.

Ihren Anfängen auf den Bolzplätzen etwa des Meidericher SV längst entwachsen, ist sie heute mit einem Umsatz von zwei Milliarden im Jahr ein immenser Wirtschaftsfaktor. Nicht zufällig tragen die großen Fußballstadien Namen von Konzernen: Die Münchner Fußball-Arena heißt mit Vornamen Allianz. Ein Unternehmen, das vor 1945 diverse NSDAP-Gliederungen versicherte und wohl deshalb problemlos jüdische Versicherungshäuser übernehmen konnte.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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