Ausgabe Januar 2014

Der große Postraub

Die Privatisierung der Bundespost und ihre Folgen

Anstatt sich durch überfüllte Kaufhäuser zu drängen, haben auch in diesem Jahr Millionen Bundesbürger ihre Weihnachtsgeschenke bequem bei Amazon & Co bestellt. Doch der Komfort hat seine Schattenseiten. Denn um das Versprechen der pünktlichen Lieferung auch in Stoßzeiten einhalten zu können, sorgen Versandhändler wie Amazon für ein ganzes Heer von Paketzustellern auf den Straßen. Gerade in der Vorweihnachtszeit stellen Paketdienstleister vor allem Mini-, Midi und Multijobber sowie Zeit- und Leiharbeiter ein – befristet. Nimmt die Zahl der Auslieferungen nach den Feiertagen wieder ab, endet meist auch deren Arbeitsverhältnis.

Der Paketdienst General Logistics System (GLS) arbeitet sogar ausschließlich mit Subunternehmern. Sie erhalten in der Regel zwischen 1,20 und 1,40 Euro pro Paket.[1] Am Ende kommen sie mitunter auf Stundenlöhne von weniger als vier Euro, weil GLS beispielsweise die „vorbereitende Arbeit“ früh am Morgen nicht bezahlt, in denen die Fahrer die Pakete aus den Depots holen, scannen und in die Wagen verladen.[2] GLS ist jedoch nicht das einzige der „Big Five“-Unternehmen auf dem Frachtpostmarkt, das die Löhne seiner Beschäftigten drückt. Auch die Konkurrenten DHL, UPS, DPD und Hermes delegieren ihre unternehmerische Verantwortung an Subunternehmer, deren Fahrer als Selbstständige Pakete zustellen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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