Ausgabe Juni 2014

Historische Schuld und politische Verantwortung

Die Gegenwart der Vergangenheit des Großen Krieges

Um es gleich vorweg zu sagen, ein „Historikerstreit“ ist das nicht, was sich im bisherigen Verlauf des Geschichtsjahres 2014, also einhundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs, an politisch-publizistischen Aufwallungen bemerkbar gemacht hat. Was man aber besichtigen kann, ist ein kleines Lehrstück über den Nutzen und Nachteil der Historie für das tägliche Leben.

Anfangs ließen nur die Voranzeigen der Verlage und Medien erahnen, dass eine regelrechte Flutwelle an Buchproduktionen, namentlich Gesamtdarstellungen, und einschlägigen TV-Produktionen („Die Männer der Emden“, „Sarajevo“) auf das Publikum zurollen würde. Erst in der teils begeisterten, teils skeptischen Reaktion auf das Erscheinen der Gesamtdarstellung des englisch-australischen Historikers Christopher Clark („Die Schlafwandler“) wurde allmählich deutlich, dass sich hier eng miteinander verzahnte Konfliktfelder auftaten, die in den folgenden Monaten die Feuilletons und die politische Publizistik in Atem halten sollten.

Clark schenkte zum einen der speziell deutschen Verantwortlichkeit für den Kriegsausbruch vergleichsweise geringe Aufmerksamkeit.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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