Ausgabe Dezember 2014

Schuld ohne Sühne

Jeder wirtschaftliche Zusammenbruch bringt die Forderung nach einem Schuldenerlass hervor. Die zur Rückzahlung von Krediten benötigten Einnahmen sind verschwunden, und die als Sicherheiten hinterlegten Vermögenswerte haben an Wert verloren. Die Gläubiger verlangen ihr Pfund Fleisch; die Schuldner fordern lautstark Entlastung.

Man betrachte etwa die aus Occupy hervorgegangene Organisation Strike Debt, nach eigener Beschreibung „eine landesweite Bewegung von Schuldenverweigerern, die für wirtschaftliche Gerechtigkeit und demokratische Freiheit kämpft“. Sie argumentieren, dass die Menschen „angesichts stagnierender Löhne, struktureller Arbeitslosigkeit und Einschnitten bei den öffentlichen Dienstleistungen“ gezwungen werden, sich zu verschulden, um grundlegendste Lebensnotwendigkeiten zu erwerben, was dazu führt, dass sie „ihre Zukunft den Banken preisgeben“.

Eine der Initiativen von Strike Debt, das sogenannte „Rolling Jubilee“, sammelt Geld, um Schulden aufzukaufen und zu tilgen – ein Prozess, den die Organisation als „kollektive Verweigerung“ bezeichnet. Der Fortschritt der Gruppe ist beeindruckend: Sie hat bereits mehr als 700 000 US-Dollar aufgebracht und damit Schulden im Wert von fast 18,6 Mio. Dollar getilgt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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