Ausgabe Juli 2015

Der Gipfel der Illusionen

Dass sich beim Treffen der „Mächtigsten der Erde“ fast alles um die Kunst der Inszenierung dreht, hatte ja bereits der Gipfel von 2013 bewiesen. Damals wurden rund um das nordirische Enniskillen massenweise leerstehende Läden kurzerhand in blühende Geschäftsstraßen verwandelt – durch aufgepappte Fototapete. Doch Elmau hat Enniskillen noch getoppt: Die deutsche Gastgeberin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, ließ es sich nicht nehmen, sogar einen „echten“ Biergarten aus dem Hut und auf den eigentlich leeren Marktplatz von Krün zu zaubern – als ob Bayern nicht über hinreichend originale Trinkanstalten verfügte.

Kein Zweifel: Der edle Graf Potemkin hätte seine Freude gehabt. Aber als Russe hatte er ja Hausverbot. Dieses Mal blieb die „westliche Wertegemeinschaft“ ganz unter sich – zur Freude ihrer Protagonisten und Propagandisten. „Elmau lässt den Westen leuchten“, jubilierte der alte Nato-Stratege und ambitionierte Syrien-Befreier Richard Herzinger in der „Welt“. Denn: „Grundsätzliches wurde zurechtgerückt: Unter Freunden mag es Konflikte geben, die wahre Gefahr für die offenen Gesellschaften geht jedoch von ganz anderen Kräften aus.“

Hier zeigt sich wieder einmal das wunderbar Verführerische des kleinen Wörtchens „mag“: Ein ungeheures Skandalon wird einfach weggezaubert.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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