Ausgabe August 2017

Mittlerer Osten: Stabilität durch Despoten?

In der Märzausgabe der »Blätter« kritisierte Michael Lüders die dominante Erzählung, das Assad-Regime führe Krieg gegen das eigene Volk, und zeigte stattdessen »die blinden Flecken des Westens« auf. Dem widerspricht Jan-Niklas Kniewel: Er sieht Despoten wie Baschar al-Assad als maßgebliche Ursache für die nahöstliche Malaise.

Der Sturz Saddam Husseins im Jahr 2003 hat gezeigt, dass die alten arabischen Diktaturen nicht unsterblich sind. Doch je mehr sich der Irak im Folgenden in ein Schlachtfeld sunnitischer und schiitischer Dschihadisten verwandelte, desto mehr erstand der Glaube an die vermeintlich stabilen Despotien als das „kleinere Übel“ wieder auf – verstärkt durch das Chaos nach 2011 und dem Erstarken des „Islamischen Staates“ wenige Jahre später. Hätten die Menschen die Macht der alten Tyrannen nicht herausgefordert, heißt es oft, wäre der Nahe Osten heute besser dran. Tatsächlich aber hat ebendieses Denken die arabischen Staaten überhaupt erst an den Abgrund geführt. Jahrzehntelang hielten sich westliche Regierungen an der Illusion des kleineren Übels fest und ignorierten das Leid weiter Teile der Bevölkerungen – zugunsten einer „Stabilität“, die tatsächlich aber nie mehr als Friedhofsruhe war.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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