Ausgabe Juli 2021

Aufbruch in Zagreb: Die neue Balkan-Linke

Tomislav Tomasevic auf einer Pressekonferenz in Zagreb, 16.5.2021 (IMAGO / Pixsell)

Bild: Tomislav Tomasevic auf einer Pressekonferenz in Zagreb, 16.5.2021 (IMAGO / Pixsell)

Selten nur stoßen politische Ereignisse in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien europaweit auf gesteigerte Aufmerksamkeit. Anders Ende Mai: Da gewann in Zagreb, Hauptstadt und kulturell-politisches Zentrum Kroatiens, eine links-grüne Koalition die Kommunalwahlen. Der neue Bürgermeister, Tomislav Tomašević, ist mit 39 Jahren nicht nur das jüngste Stadtoberhaupt in der Geschichte Zagrebs, sondern auch Vertreter einer der progressivsten Kräfte im Land.

Kroatiens politischer Mainstream ist geprägt von antiserbischem Nationalismus und dem starren Festhalten an konservativen Moralvorstellungen. Diese Staubdecke autoritärer Strukturen könnte nun von Zagreb her aufgewirbelt werden. Dort erreichten die Kandidat*innen der zwei großen Parteien – der auf nationaler Ebene regierenden HDZ (Kroatische Demokratische Union) und der oppositionellen SDP (Sozialdemokratische Partei Kroatiens) – im ersten Wahlgang jeweils nur weniger als zehn Prozent der Stimmen.

Die Wahlplattform Možemo! (Wir können!) hingegen erhielt über 40 Prozent und 23 von 47 Sitzen im Stadtparlament. Ihr Bürgermeisterkandidat Tomašević setzte sich am 30. Mai in der Stichwahl mit über 65 Prozent gegen Miroslav Škoro durch, den Kandidaten der erst 2020 gegründeten nationalistisch-autoritären Heimatbewegung. Dies markiert den größten Erfolg der kroatischen Linken seit der Unabhängigkeit des Landes 1991.

Juli 2021

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema