Ausgabe Oktober 2021

Spanien: Die offenen Wunden des ETA-Konflikts

Ein baskischer Unabhängigkeitsbefürworter mit seiner Fahne am katalanischen Nationalfeiertag in Barcelona, Spanien (IMAGO / ZUMA Wire)

Bild: Ein baskischer Unabhängigkeitsbefürworter mit seiner Fahne am katalanischen Nationalfeiertag in Barcelona, Spanien (IMAGO / ZUMA Wire)

Das Video, das vor genau zehn Jahren einen Schlussstrich unter ein blutiges Kapitel der spanischen Geschichte ziehen sollte, dauert bloß zwei Minuten und 37 Sekunden. In ihm verkündeten am 20. Oktober 2011 drei Vertreter der baskischen Terrororganisation ETA (Euskadi ta Askatasuna, baskisch für „Baskenland und Freiheit“) das „endgültige Ende der bewaffneten Aktivität“. Ihre Gesichter waren, wie stets bei Videobotschaften der Organisation, unter weißen Gesichtshauben verborgen, auf dem Kopf trugen sie schwarze Baskenmützen. Zwar sollten bis zur Selbstauflösung und endgültigen Entwaffnung der ETA noch mehr als sechs Jahre vergehen. Doch die Absage an den Terrorismus war ein Meilenstein.

Seit ihrer Gründung 1958 während der Diktatur des Generals Francisco Franco hatte die ETA 853 Menschen ermordet. Zunächst war sie Teil des militanten Widerstands gegen den Diktator und dementsprechend richteten sich ihre Anschläge anfangs gegen Repräsentanten des Regimes. Doch führte die ETA ihren blutigen Kampf für ein unabhängiges, sozialistisches Baskenland auch nach dem Übergang zur Demokratie fort – 92 Prozent ihrer Morde verübte sie nach Francos Tod.[1] So gerieten in den späten 1980er und 1990er Jahren neben Vertretern der Staatsmacht auch Journalisten, Lokalpolitiker oder Geschäftsleute ins Visier der ETA. Schutzgelderpressungen gehörten im Baskenland zur Tagesordnung.

Oktober 2021

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