Ausgabe Juli 2022

Bellizismus oder Selbstbehauptung: Was heißt heute abwehrbereit?

IMAGO/Christian Ohde

Bild: IMAGO/Christian Ohde

Die deutsche Debatte in Politik und Öffentlichkeit folgt einem Pawlowschen Reflex: Kaum ist von Waffenlieferungen an die überfallene Ukraine die Rede, kaum präsentiert der Kanzler die Wehr-Bazooka in Höhe von 100 Mrd.-„Sondervermögen“ für die Bundeswehr, kaum wird das Zwei-Prozent-Stichwort mit Blick auf das Niveau des Verteidigungsetats in den Mund genommen, beklagt ein vielstimmiger Chor die „Militarisierung“ der Politik, den „Bellizismus“ des Regierungskurses oder beschwört das Gespenst einer „Aufrüstungsspirale“. Dabei dürfte inzwischen allen Beteiligten klar geworden sein, dass der russische Angriffskrieg auf die Ukraine eine „Zeitenwende“ markiert, hinter die es so leicht kein Zurück geben wird. Zumal die Gegenseite in ihren ultimativen Maximalforderungen keinen Zweifel daran gelassen hat, dass es ihr um sehr viel mehr geht als um die Sicherung der geopolitischen Beute auf dem ukrainischen Territorium.[1]

Zum Auslösen der russischen Aggression haben verschiedene Faktoren beigetragen, im Kern aber ging und geht es um den imperialen Traum vergangener Größe – nach dem Motto, wann wird es endlich wieder so, wie es niemals war. Die Methoden und Manöver, mit denen man diesem Treiben ein Ende oder zumindest Grenzen setzen kann, werden unterschiedlicher Natur sein.

Juli 2022

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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