Ausgabe Dezember 2022

Frankreich als Exempel: Vom ökologischen Notstand zum politischen Ausnahmezustand?

Marine Le Pen im Parlament, 11.10.2022 (IMAGO / IP3press)

Bild: Marine Le Pen im Parlament, 11.10.2022 (IMAGO / IP3press)

Anfang September ging in Frankreich der Sommer formell zu Ende: Die rentrée bezeichnet jedes Jahr den Moment, an dem alle wieder „zurückkehren“, die Schule wieder beginnt und der Arbeitsalltag wieder einsetzt. Alles wie immer, könnte man meinen, aber das stimmte dieses Jahr nicht. Denn zwei außergewöhnliche Problemlagen treffen in diesem Herbst und Winter aufeinander: Einerseits hat Frankreich einen beispiellosen Sommer ökologischer Katastrophen hinter sich. Die Dringlichkeit einer ökologischen Transformation, ja einer schlichten Resilienz gegenüber den Folgen des Klimawandels, ist nicht mehr zu ignorieren. Andererseits aber fehlt Präsident Emmanuel Macron die Mehrheit, um seine ehrgeizigen politischen Ziele durchzusetzen. Im Parlament eskalieren die Konflikte in bisher ungekanntem Ausmaß. Ist Frankreichs Situation also paradigmatisch für viele westliche Industrienationen, in denen politische Handlungsfähigkeit dringend gebraucht würde, zugleich aber immer schwerer zu erreichen ist?

Beginnen wir mit dem ersten Element, dem in Deutschland in seiner Tragweite weithin ignorierten ökologischen Schock Frankreichs im Sommer 2022. Da waren zum einen die Waldbrände, die vor allem im Westen des Landes, in der Vendée und der Gironde, wüteten. Extreme Trockenheit, lang anhaltend hohe Temperaturen von 38 bis 41 Grad und starker Wind bildeten ein tödliches Gemisch, die Verheerungen waren enorm.

»Blätter«-Ausgabe 12/2022

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema