Ausgabe März 2024

El Salvadors »cooler Diktator«: Bukele als Prototyp?

Nayib Bukele, Präsident von El Salvador, in San Luis de la Reina, 19.10.2023 (IMAGO / ZUMA Wire / Camilo Freedman)

Bild: Nayib Bukele, Präsident von El Salvador, in San Luis de la Reina, 19.10.2023 (IMAGO / ZUMA Wire / Camilo Freedman)

Claudia Ortíz ist eine Salvadorianerin mit Zivilcourage: Präsident Nayib Bukele hatte sich am 4. Februar per X (ehemals Twitter) längst zum Wahlsieger erklärt und viele Gratulationen erhalten, da erinnerte die oppositionelle Anwältin und Abgeordnete daran, dass noch gar keine amtlichen Ergebnisse vorlägen. Doch ihr Protest verhallte, obwohl das Resultat der Wahl eine ganze Woche lang auf sich warten ließ. Die Auszählung der parallelen Parlamentswahlen dauerte sogar zwei Wochen: Die digitale Übertragung kollabierte und zahlreiche Wahlunterlagen verschwanden, bevor sie manuell ausgezählt werden konnten. Es gab unstimmige Wahlzettel und Wahllokale, in denen mehr Stimmen abgegeben wurden, als es Wähler gab. Vier stellvertretende Wahlrichter distanzierten sich angesichts dessen in Protestbriefen von dem unsauberen Prozess.

Derartige Unregelmäßigkeiten hatten in Bolivien 2019 und in Honduras 2017 zu harscher Kritik und der Intervention der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) geführt. In El Salvador bemängelte sie zwar zahlreiche Unregelmäßigkeiten – aber Bukeles Sieg anzuzweifeln, das schien angesichts seiner Popularität aussichtslos. 84,6 Prozent Zustimmung bescheinigte ihm schließlich das von seinen Anhängern kontrollierte Wahlgericht.

Das sind außergewöhnliche Zahlen in Lateinamerika, zumal für einen Amtsinhaber. Denn normalerweise sinkt deren Popularität angesichts der immensen Probleme rasch.

»Blätter«-Ausgabe 3/2024

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

Führungsfetisch statt Bürgernähe

von Markus Linden

Der rasende Autoritäts- und Machtverlust, den die Union und der Bundeskanzler binnen nicht einmal zwei Jahren an der Regierung erlitten haben, erklärt sich nicht zuletzt durch Friedrich Merz’ Führungsstil. Merz setzt ganz auf cäsaristische Anweisung von oben.