Ausgabe Februar 2026

Die Zwei-Drittel-Republik

Ideen für eine Demokratie diesseits der Brandmauer

Rob Jetten, Parteivorsitzender der niederländischen Partei D66 (IMAGO / ANP)

Bild: Rob Jetten, Parteivorsitzender der niederländischen Partei D66 (IMAGO / ANP)

Parlamentarische Mehrheiten und stabile Koalitionen sind in Deutschland immer schwerer zu erreichen. Diese Situation kann auch eine Chance zum Umbau der Demokratie sein, weg von Parteidisziplin hin zu zielorientierter Politik. Der Chartismus des 19. Jahrhunderts und heutige junge Politiker wie Rob Jetten oder Zohran Mamdani können dabei Vorbilder sein.

Wir rauschen auf eine politische Situation zu, für die es kein Beispiel, kein Vorbild, keine guten Ratschläge und Handlungsanweisungen gibt. Die Zahlen sind recht klar: Die AfD steht in aktuellen Umfragen im Bund bei um die 25 Prozent. Es ist nicht ersichtlich, wie sich dieser Stimmenanteil bis zur Bundestagswahl 2029 deutlich oder überhaupt verringern wird. Die Partei kann also möglicherweise mit bis zu einem Drittel der Sitze im nächsten Bundestag rechnen. Das aber bedeutet, wenn niemand mit der AfD regieren will: Die demokratische Republik schrumpft. Wir leben zunehmend in einer Zwei-Drittel-Republik.

Die AfD ist eine Anti-System-Partei, die ein anderes Land will, eine andere Form von Demokratie. Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung[1] hat ergeben, dass rund 70 Prozent der Menschen, die die AfD wählen, grundsätzlich nicht mehr für CDU/CSU, SPD, FDP oder Grüne und Linke stimmen würden. Diese Menschen kann man mit der gegenwärtigen Form von Politik, mit den Parteien, die wir aktuell haben, nicht »wieder zurückgewinnen«, wie es oft heißt.

»Blätter«-Ausgabe 2/2026

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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