Bild: Das Axel Springer Hochhaus in Berlin (IMAGO / Ray van Zeschau)
Man kann Axel Caesar Springer, dem Schöpfer von »Bild« und »Welt«, ja vieles vorwerfen, aber eines gewiss nicht, dass er die DDR verharmlost hätte. Im Gegenteil: Nicht ohne Grund baute Springer seinen ersten Tower direkt an die Mauer, als Symbol westlicher Pressefreiheit, und schrieb stets »DDR«, um durch die Tüttelchen zu sagen, dass von Demokratie in dieser Republik keine Rede sein konnte. Insofern müsste sich der alte Caesar eigentlich im Grabe umdrehen, wenn er sehen könnte, was seine Nachlassverwalter derzeit anrichten. So meint Andreas Rosenfelder, seines Zeichens »Welt-Chefkommentator« und »Ressortleiter Meinungsfreiheit«, doch tatsächlich eine neue Stasi entdeckt zu haben – gemeinsam mit unserem lupenreinen Ex-Kanzler Gerhard Schröder: »Ich sehe mit Sorge die ›Zensurnetzwerke‹, die den demokratischen Diskurs einengen«, heißt es bei Schröder. Demokratie brauche aber »keine neue ›Stasi‹«, so unser liebster Putin-Vertrauter, und zwar ausgerechnet in einem Gastbeitrag in der »Berliner Zeitung«, herausgegeben vom Ex-Stasi-Mann und Egon-Krenz-Verehrer Holger Friedrich. Mehr Relativierung der wahren Stasi geht kaum! Und was macht Rosenfelder daraus? Er feiert den Neu-Stasi-Entdecker Schröder für dessen Beleuchtung des »großen blinden Flecks der deutschen Politik – den Umgang mit der Meinungsfreiheit«.