Ausgabe April 2026

Ohne Recht und Ziel: Der Krieg gegen Iran

Symbolbild: Trumps Konterfei auf einer Weltkarte in Trümmern (IMAGO / Ralph Peters)

Bild: Symbolbild: Trumps Konterfei auf einer Weltkarte in Trümmern (IMAGO / Ralph Peters)

Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Zwölf-Tage-Krieg gegen Iran im Juni 2025 und der blutigen Niederschlagung von Protesten gegen das Regime im Januar 2026 griffen Israel und die USA Ende Februar erneut Iran an. Die Ziele dieses Krieges sind unklar und sein Ausgang ist offen. Der Schaden für das Völkerrecht ist dagegen offensichtlich. In dieser Situation müsste Europa eine Idee entwickeln, wie eine neue völkerrechtliche Ordnung aussehen könnte, in der die Mehrheit der Staaten sich gegen die Großmächte zusammenschließt, um zivilisatorische Mindeststandards zu verteidigen.

Eine entscheidende Frage im Streit um den Krieg gegen Iran ist die nach dessen völkerrechtlicher Zulässigkeit. Israel und die USA versuchen, diesen Krieg als Präventivschlag zu rechtfertigen. Das Völkerrecht schließt allerdings Präventivschläge grundsätzlich aus. Was allenfalls zulässig wäre, ist die Abwehr eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs, also ein Präemptivschlag. Doch ein solcher liegt hier nicht vor, denn für einen nur in äußerst engen Grenzen gerechtfertigten Präemptivschlag müssen drei Voraussetzungen zusammenkommen: eine erkennbare Angriffsabsicht, die notwendigen militärischen Kapazitäten und die plausible Annahme, dass ein Angriff unmittelbar bevorsteht. Die letzten beiden Voraussetzungen sind aber nach jetzigem Kenntnisstand nicht gegeben. 

Es braucht nicht viel Fantasie, um die erste Voraussetzung als erfüllt zu betrachten.

»Blätter«-Ausgabe 4/2026

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (12.00€)
Druckausgabe kaufen (12.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema