Bild: Mitglieder der SPLA im Südsudan. Die einstige Volksbefreiungsarmee SPLA zerfiel in mehrere Fraktionen, die sich heute gegenseitig bekämpfen. Foto vom 29.1.2024 (IMAGO / Joerg Boethling)
Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet. Während sich dieser aktuell größten humanitären Krise der Welt im April eine internationale Konferenz in Berlin widmet, bahnt sich im Schatten des Sudankonflikts und weitaus weniger beachtet von der Weltöffentlichkeit auch im Südsudan ein Krieg an, der dem im Sudan in seiner Brutalität in nichts nachzustehen scheint.
»Verschont niemanden!«, ruft General Johnson Olony, Vizechef von Südsudans Armee, seinen Truppen zu: »Weder die Alten noch die Kinder oder die Hühner – kein einziges Haus soll stehenbleiben!«, schreit der General. Die Soldaten, die vor ihm in Reih und Glied strammstehen, jubeln.1 Diese Rede hielt Südsudans Vizearmeechef Ende Januar, kurz bevor er seine Einheiten, die im südsudanesischen Bundesstaat Jonglei zusammengezogen wurden, in den Kampf schickte. Sie läutet offenbar den Beginn einer neuerlichen Runde Krieg im Südsudan ein. Der jüngste Staat der Welt, der erst 2011 durch einen Volksentscheid die Unabhängigkeit vom Sudan erlangte, blickt bereits auf eine lange Gewaltgeschichte zurück.