Die Debatte um Wehrdienst und Verweigerung
Bild: Zwei Soldaten auf einem Truppenübungsplatz, 6.9.2025 (Florian Gaertner / IMAGO / photothek)
Angesichts des Krieges in der Ukraine gibt es in der Bundesrepublik 70 Jahre nach Einführung der Wehrpflicht und 15 Jahre nach ihrer Abschaffung eine engagierte Debatte um die Notwendigkeit ihrer Wiedereinführung. Dabei geht es um die zentrale Frage, wie der Frieden in Europa und die demokratische Lebensform verteidigt werden können – und welcher persönliche Einsatz dafür erforderlich ist.
Ich bin lieber lebendig als tot«, mit dieser Sentenz präsentierte das linke Magazin »Jacobin« im letzten Jahr die Streitschrift des Podcasters Ole Nymoen »Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde. Gegen die Kriegstüchtigkeit«.1 Doch wer würde dieser Position nicht zustimmen, wer wäre nicht lieber lebendig als tot – jedenfalls in unseren westlichen Breiten (und anders als die Protagonisten al-Qaidas mit ihrer Devise »Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod«)?
Auch der vielleicht entschiedenste Kritiker Nymoens in der Generation der Jüngeren, der Journalist Artur Weigandt, teilt in seiner Antikritik »Für euch würde ich kämpfen. Mein Bruch mit dem Pazifismus« den Wunsch zu leben und zu überleben. Nicht hier liegt also die Bruchlinie zwischen den Befürwortern und den Gegnern der Wehrpflicht in der aktuellen Diskussion. Nein, in der Kontroverse um Wehrdienst und Pazifismus geht es um mehr, nämlich um die Bewahrung des Friedens und der Demokratie in Europa – und um die Frage, wer dafür verantwortlich ist.