Ausgabe Juli 2014

Diplomatie mit Waffen

Die deutsche Öffentlichkeit hat noch nicht das Diktum Friedrichs des Großen akzeptiert: Diplomatie ohne Waffen ist wie ein Orchester ohne Instrumente.” So lautet die Deutschlandbilanz des langen Diplomatenlebens von James D. Bindenagel. Ginge es nach ihm, sollten die Deutschen diesen Ausspruch des Alten Fritz so schnell wie möglich verinnerlichen. Und geht es nach der Universität Bonn, wird ebendieser James D. Bindenagel ab kommendem Wintersemester den neu geschaffenen „Henry-Kissinger-Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Völkerrechtsordnung“ einnehmen.

Diese Professur ist aus mindestens zwei Gründen ein Novum: Erstens dürfte sie die einzige Stiftungsprofessur in Deutschland sein, mit der ein Mann geehrt wird, der zahlreiche Diktaturen unterstützt hat und für den Tod Hunderttausender in Südostasien und Südamerika mitverantwortlich ist.[1] Und zweitens soll die Professur ganz überwiegend vom Bundesministerium der Verteidigung finanziert werden. Kein Wunder also, wenn der wissenschaftliche Gegenstand des Lehrstuhls auch das Aufgabenspektrum des Stifters mitumfasst, sprich: das Tätigkeitsfeld der Bundeswehr.

Bei der Wissenschaft von den Internationalen Beziehungen kommt es – eigentlich – vor allem darauf an, die Hintergründe außenpolitischen Handelns zu verstehen, auch und gerade die der internationalen Mitspieler.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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