Ausgabe Mai 2014

Lanz sei Dank!

Es ist vollbracht: Am 5. April erklärte Markus Lanz in seiner Sendung, dass es nur noch drei Ausgaben „Wetten dass?“ geben werde. Was für eine Erleichterung – und was für ein Irrsinn! Denn dem vorausgegangen waren zwei Jahre des Fremdschämens mit einem offensichtlich völlig überforderten Moderator. Doch kaum hatte Lanz das Ende verkündet, setzte umgehend die große Nostalgiewelle ein: Darf man tatsächlich das letzte Lagerfeuer der Deutschen, Hort guter Familienunterhaltung, einfach so erlöschen lassen?

Ja, man darf! Denn die Zeit ist schon lange über diese Familiensendung hinweg gegangen. Heute haben sich die „Kids“ längst zu den Privaten verabschiedet, in die harten realitätslastigen US-Serien und zu DSDS und Dschungelcamp. 1981 wurde „Wetten dass?“ erstmalig ausgestrahlt, am 1. Januar 1984 wurde das Privatfernsehen eingeführt. Doch „Wetten dass“ blieb sich über all die Jahre gleich, als das eigentliche Flaggschiff der Ära Kohl und des bundesrepublikanischen Biedermeiers. Nicht ohne Grund dankt Florian Illies am Ende seiner ironisch-postheroischen „Generation Golf“ vor allem einem: Helmut Kohl. Wie aber heißt es dort gleich zu Beginn: „Mir geht es gut. Es ist Samstag abend, ich sitze in der warmen Sonne, im Schaum schwimmt das braune Seeräuberschiff von Playmobil. [...

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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