Ausgabe Juli 2015

Von unten sieht man besser: Für einen linken Neubeginn

Die erste Halbzeit der Legislaturperiode ist bald zu Ende, doch von politischer Spannung kann keine Rede sein: In Berlin regiert eine Große Koalition, die unbeirrbar an ihren strikt wirtschaftsliberalen Politikmustern festhält – vor allem in Bezug auf Griechenland, aber auch mit Blick auf die Austerität im eigenen Land (Stichwort „Schwarze Null“). All das geschieht in relativer Ruhe und ohne dass die Regierung ernsthaft mit einer neuen gesellschaftlichen Kritik konfrontiert wäre.

Dabei schien noch vor wenigen Jahren öffentlicher Konsens darüber zu herrschen, dass die marktradikale Ideologie gescheitert sei und weitreichende gesellschaftspolitische Veränderungen auf der Tagesordnung stünden. „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“, gestand, stellvertretend für viele, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher auf dem Höhepunkt der Finanzkrise.[1] Doch dieses Momentum ist heute offensichtlich vorbei.

Bereits bei der Bundestagswahl 2013 zeigte sich die Stärke des bürgerlichen Blocks. Dieser konnte die Wahl nur deshalb nicht klar gewinnen, weil sich die Stimmen von FDP und AfD egalisierten und so beide unter der Fünfprozenthürde blieben.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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