Ausgabe März 2015

Aus Bündnispflicht zur Kriegsbeteiligung?

Angesichts des anhaltenden Vormarschs von »Islamischem Staat« und »Boko Haram« sprachen sich in den letzten beiden Ausgaben der »Blätter« Albrecht von Lucke und Tom Goeller auch für den Einsatz militärischer Mittel als Ultima Ratio aus. Dagegen plädieren Werner Koep-Kerstin, Bundesvorsitzender der Humanistischen Union (HU), und Martin Kutscha, Vorstandsmitglied der HU wie der deutschen Sektion der IALANA, für das absolute Primat politischer Lösungen. – D. Red. 

Was spricht eigentlich dagegen, den blutigen Feldzügen von Mörderbanden wie dem „Islamischen Staat“ oder „Boko Haram“ durch gezielte Militäreinsätze von Nato-Staaten entschieden Einhalt zu gebieten? Sollte nicht auch Deutschland durch entsprechende Beteiligung an diesen und anderen „humanitären“ Interventionen mehr internationale Verantwortung übernehmen?

Nach diesem Tenor, der zum Beispiel in Reden des Bundespräsidenten anklingt und inzwischen viele Medien beherrscht, scheint es zu solchen militärischen Missionen auf den Krisenschauplätzen der Welt keine vernünftige Alternative zu geben. Dabei fällt eine unvoreingenommene Bilanz der internationalen Kriegseinsätze des vergangenen Jahrzehnts selbst dann durchweg verheerend aus, wenn auf diese Weise brutale Diktatoren beseitigt werden konnten.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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