Ausgabe September 2015

Katastrophenkapitalismus, Teil III

Für einen revolutionären Humanismus

Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass das Kapital alle bislang betrachteten Widersprüche überleben könnte – wenn auch nicht ohne größere Anstrengungen. Das Problem ist jedoch, dass die Kosten dafür nicht mehr akzeptabel sind für die Masse der Bevölkerung. Angesichts der Gefahr, dass sich diese dystopischen Trends (tödliche Drohnenangriffe, Giftgaseinsätze irrsinniger Potentaten gegen das eigene Volk, mörderische und unberechenbare Maßnahmen gegen Oppositionsbewegungen aller Art, regionale Umwelt- und Hungerkatastrophen) zu weltweiten kriegerischen Konflikten zwischen ungleichen Gegnern auswachsen – Reich gegen Arm, privilegierte Kapitalisten und ihre Handlanger gegen den Rest –, gibt es nur eine Hoffnung: Es müssen sich machtvolle soziale und politische Bewegungen formieren, die „¡Ya basta!“ rufen und die Art, wie wir leben, lieben und uns reproduzieren, von Grund auf verändern.

Dass wir dafür den kapitalistischen Wirtschaftsmotor durch etwas anderes ersetzen müssen, dürfte mittlerweile klar geworden sein. Aber wie das geschehen und was ihn ersetzen soll, ist angesichts der beklagenswerten Phantasielosigkeit, die die öffentliche Diskussion in dieser Frage kennzeichnet, noch ungewiss.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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