Ausgabe März 2016

Süd vs. Nord: Das andere Europa

Schon Montesquieu wusste: „Der Mensch des Nordens lebt, um zu arbeiten und zu produzieren, der Mensch des Midi würde nur so viel arbeiten, wie es zum Lebensunterhalt notwendig ist.“ Zwischen Europas Norden und Süden besteht ein Konflikt, der in der jüngsten Krise wieder offener zutage getreten ist, aber eine lange Tradition hat. Dieser widmet sich Wolf Lepenies in seinem neuen Buch „Die Macht am Mittelmeer. Französische Träume von einem anderen Europa“. Und wer wäre besser geeignet, eine Ideengeschichte des Nord-Süd-Konfliktes zu schreiben als Lepenies? Der 1941 im ostpreußischen Allenstein geborene Soziologe, Ideenhistoriker und Wissenschaftspolitiker leitete jahrelang das Wissenschaftskolleg zu Berlin, einen intellektuellen Brennpunkt, wo sich Gesellschafts- und Naturwissenschaftler, Künstler und Publizisten treffen und man bis zum heutigen Tag Lepenies bei Veranstaltungen und Diskussionen begegnen kann.

In seinem aktuellen Werk bezieht sich Lepenies aber auch auf jüngere Diskussionen über eine Mittelmeerunion, die ins Zentrum der Flüchtlingsdebatte führen. Dabei entfaltet er ein weites geistiges Panorama, das er nicht mit grobem Strich, sondern mit feinem malt. Gleichsam begrenzt er den Fokus: „Dies ist kein Mittelmeerbuch.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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