Ausgabe September 2016

Sexismus sells

Wie die Werbung unser Geschlechterbild normiert

„Fleischereifachverkäufer/in gesucht. Voll- oder Teilzeit.“ Als Illustration dient dieser Stellenausschreibung eine blonde Frau mit einer Keule, die sie am schmalen Ende gefasst und sich lässig über die Schulter geschwungen hat. Die andere Hand in die Hüfte gestemmt posiert sie so als tatkräftige Angestellte einer Metzgerei – im Bikini.

„Sex sells“ – diese Annahme ist weit verbreitet. Doch Studien belegen, dass Nacktheit zwar Aufmerksamkeit erregt, dadurch aber zugleich Produkt und Hersteller in den Hintergrund gedrängt werden.[1] Wir erinnern uns vielleicht an die Nackte auf der LKW-Plane, der wir auf der Autobahn ein paar Kilometer weit folgen mussten, aber wer sie auf die Reise geschickt hat, und was sie von uns will – das gerät schnell in Vergessenheit. Das Parkett, die Flatrate, die Autoreifen oder Schweinekeulen verkaufen sich damit keinen Deut besser. Sex in der Werbung wirkt, aber nicht verkaufsfördernd. Stattdessen fügt sich diese wie ein Puzzleteil in unser Bild darüber ein, wie eine Frau in unserer Gesellschaft zu sein hat: sexy Beiwerk, schön anzuschauen und allzeit verfügbar.

Diese offensichtliche Form von Sexismus in der Werbung will Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verbieten.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.