Ausgabe April 2017

Die Flüchtlingsrevolution oder: Die Wiederkehr des Politischen

Schenkt man den Medien Glauben, befindet sich Europa seit bald zwei Jahren in der „Flüchtlingskrise“. Dabei geht schon der Begriff an der Qualität und an der Dimension des Ereignisses vollkommen vorbei. Und genauso verhält es sich mit den Antworten auf diese „Krise“: Was gegenwärtig unter dem „Marshallplan für Afrika“ firmiert, ist nichts anderes als der Versuch, die ökonomische Dominanz des Nordens und Westens zu verteidigen.[1]

„Flüchtlingskrise“, dieses Wort unterstellt – fälschlicherweise – dass wir Europäer in der Krise stecken, weil einige hunderttausend Menschen, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft sind, es unter Einsatz ihres Lebens schaffen, zu uns zu kommen. Zudem insinuiert der Begriff noch etwas anderes: Krisen werden bewältigt, danach ist alles, wie es früher war.

Das aber wird nicht der Fall sein. Nichts spricht dafür, dass die globale und regionale Ungleichheit bald ausgeglichen sein werden, dass der Klimawandel aufgehalten und die mehr als ein Dutzend Kriege und erst recht nicht alle anderen bewaffneten Konflikte enden werden, die alle zusammen gegenwärtig immer mehr Menschen zu dem Entschluss treiben zu fliehen. Im Gegenteil: Es scheint, als nähmen all diese Faktoren unablässig zu.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema