Ausgabe Juli 2017

Röschen vom Winde verweht

Die Aufregung hätte größer kaum sein können, als bekannt wurde, dass ein Oberleutnant der Bundeswehr zum Putsch gegen seine oberste Vorgesetzte Ursula von der Leyen aufgerufen hatte. Dabei wurde nur eine Kleinigkeit übersehen: Die famose Bundesselbstverteidigungsministerin hatte sich längst selbst zur Strecke gebracht, jedenfalls politisch. Nicht mehr verwendungsfähig könnte daher bald das Urteil lauten.

„Aktiv. Attraktiv. Anders. – Bundeswehr in Führung“ hatte von der Leyens Reklame- und Rekrutierungskampagne im Jahr 2014 geheißen. „Anders“ trifft es wohl, aber anders als gedacht: Irgendetwas muss in der Armeeführung schiefgelaufen sein, wenn man an die jüngsten braunen Umtriebe denkt. Doch wer bei der Aufklärung immer nur die eigene Haut retten will, macht sich unbeliebt. In der Truppe hat die Ministerin inzwischen so viel verbrannte Erde hinterlassen, dass eine Vertragsverlängerung auf diesem Posten unmöglich erscheint.

Wo also nun hin mit Ernst Albrechts „Röschen“ und seinen spitzen Dornen? Im Kanzleramt wird bereits fieberhaft nach einer neuen Verwendung für die Zeit nach dem 24. September gesucht. Einfach wird die Sache nicht. Schließlich hat von der Leyen eigentlich schon alles durch.

Sie haben etwa 33% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 67% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema