Ausgabe Mai 2018

Das dreigeteilte Syrien und das Schicksal der Kurden

Die Luftangriffe der USA, Großbritanniens und Frankreichs auf syrische Einrichtungen hielten Mitte April die internationale Öffentlichkeit in Atem. Denn die Vergeltungsaktion für einen mutmaßlichen Giftgaseinsatz durch das syrische Regime in Duma drohte, angesichts der russischen Militärpräsenz in Syrien, eine neuerliche Eskalation des Konflikts einzuleiten. Doch auch wenn dies der Welt vorerst erspart blieb, ist darüber ein anderer Schauplatz im syrischen Krieg ins mediale Abseits geraten: die von den Kurden kontrollierten Gebiete. – D. Red.

Als ich im Frühjahr 2015 zum ersten Mal in das von den Kurden eroberte Gebiet in Nordsyrien kam, erzielten die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in schneller Folge Gebietsgewinne. Mit Hilfe massiver Angriffe der US-Luftwaffe hatte die YPG gerade die Stadt Kobane vom Islamischen Staat (IS) zurückerobert. Ihre Kämpfer schlossen die kurdisch besiedelten Regionen südlich der syrisch-türkischen Grenze de factozu einem Staatsgebiet zusammen – und nannten es Rojava. Ich begegnete Kämpfern einer YPG-Einheit, die gerade die Hinterlassenschaften einer Schlacht mit dem IS beseitigten. Die Kurden hatten die Kontrolle über einen bewaldeten Bergkamm namens Abdul Aziz errungen, westlich der kurdisch-arabischen Stadt Hasaka.

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