Ausgabe Oktober 2018

Schluss mit der Ungleichheit: Zehn Jahre Finanzkrise, Teil II

Zehn Jahre hält die Misere inzwischen an, die die Finanzkrise von 2008 ausgelöst hat. Für die Insider des Systems hat sich seither nichts geändert. Alle anderen aber sahen sich in eine elende Dekade versetzt, deren Not durch die Austeritätspolitik noch vergrößert wurde. Dabei ist festzuhalten, dass nicht irgendwelche Außenseiter, sondern anerkannte Makroökonomen ausdrücklich davon abgeraten hatten, einen Austeritätskurs einzuschlagen. Sie sagten voraus, dass er zu Stagnation oder zur Schrumpfung des BIP führen würde, was dann auch tatsächlich geschah. Dennoch setzten sich jene Politiker durch, die die Krise als politischen „Wendepunkt“ nutzen wollten – eine Parole, die ich erstmals 2009 im Privatgespräch mit einem Tory hörte, noch bevor der Öffentlichkeit dämmerte, was da auf sie zukam –, Politiker, die die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, öffentliche Haushalte zu beschneiden und den Staat „gesundzuschrumpfen“.

Austeritätspolitik belastet Arme viel stärker als Bessergestellte. Obendrein ist die Kategorie „Sparsamkeit“ ideologisch befrachtet, weil hier eine private Tugend in ein abstraktes Prinzip verfälscht wird, an dem sich die öffentliche Ausgabenpolitik auszurichten hätte.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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