Seit Wochen treibt es hunderttausende Algerier auf die Straßen ihres Landes. Sie demonstrieren für freie Wahlen und wenden sich gegen die fünfte Kandidatur des altersschwachen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika. Alle Beschwichtigungsversuche des Regimes zeigten bislang keine Wirkung: Am 11. März ließ Bouteflika in einem Brief, über dessen wahre Verfasser spekuliert wird, den Verzicht auf eine neuerliche Kandidatur erklären, zugleich wurde aber der Termin der Präsidentschaftswahl auf unbestimmte Zeit verschoben. Mit kleinen Personaländerungen versucht die Regierung zudem, ihren Willen zur Reform zu beweisen. So machte der bisherige Premierminister Ahmed Ouyahia – wie Bouteflika ein verbrauchter Repräsentant der alten Garde – einem Tandem aus dem vormaligen Innenminister Nourredine Bedoui und dem früheren Außenminister Ramtane Lamamra Platz. Spontan brandeten unter den Demonstranten Jubelstürme auf, als sie von Bouteflikas Verzicht hörten. Dann aber kochte der Zorn hoch: Die Regierung will aus ihrer Forderung „Wahlen ohne Bouteflika“ ein „Bouteflika ohne Wahlen“ machen, empörten sich viele Algerier. So gingen am 15.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.