Ausgabe April 2019

Chemnitz setzt Maßstäbe

Chemnitz setzt wieder einmal Maßstäbe. Pünktlich zum Beginn des Prozesses gegen einen der zwei mutmaßlichen Täter beim Mord an Daniel H., welcher im vergangenen Sommer die massiven rechtsradikalen Ausschreitungen hervorgerufen hatte, hat sich die Bürgermeisterin zu Wort gemeldet. Ja, genau jene Barbara Ludwig, SPD, die sich schon damals nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Jetzt sagte sie gegenüber der „taz“, es würde schwierig für Chemnitz, wenn es keine Verurteilung gäbe. Sie hoffe daher darauf, dass der Angeklagte schuldig gesprochen werde.

Eine Bürgermeisterin fordert ein Strafurteil. Gewaltenteilung sieht anders aus. Mehr an Kotau vor den Rechten geht kaum – und mehr an Angst wohl auch nicht, dass es erneut zu Ausschreitungen kommt. Denn die Beweislage ist denkbar dürftig und der Haupttäter weiter auf der Flucht. Da nimmt eine wackere Bürgermeisterin im Wilden Osten das Recht auch schon mal selbst in die Hand und hilft dem Gericht ein wenig auf die Sprünge. Schließlich sind seit der Einführung des Grundgesetzes in der Ex-DDR ja auch nur schlappe 30 Jahre vergangen. 

Und außerdem: Was soll die arme Frau auch machen? In einer Stadt, in der die rechtsstaatlich zuträgliche Gewaltenteilung auch sonst längst an einschlägig bekannte Rechtsradikale übertragen wurde.

Sie haben etwa 36% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 64% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Kampfplatz Berlin: Die dämonisierte Linkskoalition als Türöffner für die AfD

von Albrecht von Lucke

Wahrscheinlich wird es für immer ein Geheimnis bleiben, was am Abend der Berlin-Wahl am 20. September Issa Remmo, Clan-Chef und zentrale Größe der organisierten Kriminalität in Berlin, veranlasste, auf der Wahlparty der Neuköllner Linkspartei aufzulaufen.

Hochglanz und Unterdrückung: Das neue Ägypten

von Hannah El-Hitami

Wer heute in Downtown Kairo unterwegs ist, bewegt sich durch eine Welt voller Kontraste. Eine junge, internationale und kreative Szene breitet sich hier in einem staubig-chaotischen Stadtteil aus, der sonst eher von Traditionsbetrieben und Straßenmärkten mit lokalen Produkten geprägt ist.

Sahel: Falsche Hoffnung in Putschisten

von Roger Peltzer

In der Juni-Ausgabe analysierte Olaf Bernau die Entwicklungen in den drei von Militärjuntas regierten Sahelstaaten Burkina Faso, Mali und Niger als einen in der westlichen Öffentlichkeit verkannten tiefgreifenden Umbruch in der Region, getragen von einer Politik der Hoffnung. Roger Peltzer sieht darin eine gefährliche Rechtfertigung antidemokratischer Regierungen.