Ausgabe August 2019

Kollege Weinstein: Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz

Harvey Weinstein, der einst gefeierte, dann aber massiver sexueller Belästigung und Vergewaltigung beschuldigte Hollywood-Produzent, greift auf seine Versicherung zurück: Diese zahlt 44 Mio. US-Dollar, davon 30 Mio. an betroffene Frauen, die Geldgeber seiner Filmfirma und deren Angestellte. Die übrigen 14 Mio. fließen in Weinsteins Anwalts- und Prozesskosten. Über 80 Frauen hatten Weinstein sexuelle Belästigung und Vergewaltigung vorgeworfen.[1] Zwei strafrechtliche Beurteilungen von noch nicht verjährten Vergewaltigungen stehen noch aus. In Deutschland wären derartige Schadenersatzsummen undenkbar.

Doch selbst solche astronomischen Summen können weder das erlittene Leid ungeschehen machen noch es anderen Opfern erleichtern, öffentlich über das ihnen zugefügte Unrecht zu sprechen. Und die Überwindung, die es selbst prominente Schauspielerinnen gekostet hat, sexuelle Übergriffe zu benennen, potenziert sich bei der Verkäuferin, der Hotelfachkraft oder der Arbeiterin noch. Müssen sie doch fürchten, den Arbeitsplatz und damit ihre finanzielle Absicherung zu verlieren. Deshalb schweigen viele Betroffene und lassen die alltäglichen Übergriffe über sich ergehen. Die dabei empfundene Schmach und Ohnmacht führen zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, bis hin zur Erwerbsunfähigkeit.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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