Ausgabe März 2019

Im Süden nichts Neues

Die Rolle Deutschlands im Zeitalter der neuen Stellvertreterkriege

Angesichts der Aufkündigung des INF-Vertrages[1] ist dieser Tage oft vom definitiven Ende des Kalten Krieges die Rede. Für erhebliche Teile der Welt trägt der Kalte Krieg jedoch zu Unrecht seinen Namen – damals wie heute. Denn schon vor 1989 war der vermeintliche Kalte Krieg in vielen Teilen der Welt alles andere als kalt. Und diese vielen „heißen“ Kriege im globalen Süden endeten keineswegs mit dem Ende des angeblichen Kalten Krieges. Sie lebten und leben in anderer Form bis heute weiter oder sogar wieder auf. Auf dramatische Weise prägen sie nach wie vor die gegenwärtige geopolitische Situation – und das nicht nur im Nahen Osten. Dabei war die Zeit unmittelbar nach dem „Kalten Krieg“ tatsächlich eine der wenigen jüngeren geschichtlichen Epochen, aus der konkrete Möglichkeiten zur Realisierung einer gerechteren und friedlicheren Welt hervorgingen. Nach Jahren des friedlichen Widerstands konnten in Ostdeutschland – und im gesamten mittel- und osteuropäischen Raum – endlich Gesellschaftsordnungen etabliert werden, die auf freiheitlichen Bürgerrechten basieren. Das „Gleichgewicht des atomaren Schreckens“ – oder, in der Sprache der internationalen Beziehungen, die Doktrin der „garantierten gegenseitigen Zerstörung“ – schwebte nicht mehr wie ein Damoklesschwert über der Weltbevölkerung.

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In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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