Ausgabe Oktober 2019

Der Sudan im Aufschwung?

Im Sudan wurde am 8. September das erste zivile Kabinett seit 30 Jahren vereidigt. Die Technokratenregierung unter Premierminister Abdalla Hamdok wird eine Machtteilung überwachen, die zwischen Militär und Demokratiebewegung ausgehandelt wurde. Für 2022 sind Wahlen geplant. Die Frage ist: Werden Fraktionen innerhalb des Militärs, die islamistische Opposition oder diverse Rebellengruppen diesen Übergang zur Demokratie noch verhindern?

Derzeit ist der Sudan neben Tunesien das einzige arabische Land, in dem es einen wirklichen Fortschritt in Richtung Demokratie gibt. Die Sudanesische Revolution, die im Dezember 2018 begann, wird für die bemerkenswerte Ausdauer, den Mut und die Organisation ihrer Teilnehmer in Erinnerung bleiben. Die dortige Demokratiebewegung hat aus dem Fiasko in Ägypten gelernt, wo auf die Revolution die Rückkehr des Despotismus in noch harscherer Form folgte. Daher forderte sie zum einen den Machtverzicht der Armee und zum anderen genügend Zeit, um den Übergang zu organisieren. Dabei musste sie einen Kompromiss eingehen: Während der ersten Phase des Übergangs wird das Militär regieren und 2022 von einer gewählten zivilen Regierung abgelöst.

Dennoch herrscht seit der Bildung des neuen Kabinetts in der Hauptstadt Khartum eine ausgelassene Stimmung vor.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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