Ausgabe April 1990

Das schreckliche Mädchen

In dem neuen Film von Michael Verhoeven wird an einem authentischen Einzelfall die gesellschaftlich-politische Situation in diesem Lande schlagartig beleuchtet und in einer spannenden Handlung kritisch hinterfragt. Der Satz klingt anachronistisch - aber auch der Film, den er charakterisieren soll, kommt einem so vor: anheimelnd-bekannt und doch fremd, ein spätes Zeugnis vergangener besserer Zeiten, in denen die Massenkunst Film sich noch gelegentlich einer Funktion besann, die ganz aus der Mode gekommen ist. Die Geschichte beruht auf einem Fall, der sich tatsächlich vor einigen Jahren im bayrischen Passau zugetragen hat.

Eine eifrige Schülerin - im Film heißt sie Sonja und wird von Lena Stolze, der Inge Scholl aus einem früheren Verhoeven-Film, gespielt - hat in einem Aufsatzwettbewerb einen Preis des Bundespräsidenten gewonnen. Als Studentin will sie nun die Verdienste ihrer Stadt, deren Repräsentanten sich öffentlich ihres Widerstands gegen den Faschismus rühmen, durch eine Dokumentation entsprechend würdigen. Wie es kommen muß, ist auch denjenigen klar, die den realen Vorfall nicht mitbekommen haben: allenthalben stößt sie auf Schweigen und aktiven Boykott.

April 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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