Ausgabe August 1990

Multikulturelle Identität:

Das kanadische Exempel in der Zerreißprobe

Mit dem Scheitern der kanadischen Verfassungsergänzung, die u.a. der französischsprachigen Provinz Québec einen "gesonderten Status" in Kanada zugesteht, steht die Einheit des zweitgrößten Flächenstaates der Welt vor ihrer bislang schwersten Belastungs-, ja Zerreißprobe. Das sogenannte Meech Lake Constitutional Accord, das bereits im Juni 1987 zwischen den kanadischen Regierungschefs des Bundes und der zehn Provinzen auf dem Wege informeller Politik ausgehandelt worden war und der Ratifizierung seitens des Bundesparlamentes sowie der Provinzparlamente bis zum 23. Juni 1990 bedurfte, ist am Einspruch der Provinzen von Manitoba und Neufundland gescheitert, die diese Frist verstreichen ließen. Die Kontroversen um und das letzendliche Scheitern von Meech Lake spiegeln dabei die Diskussionslinien innerhalb der verfassungspolitischen Auseinandersetzungen in Kanada seit Ende der 60er Jahre wider. Neben Fragen der Reform von Senat und Verfassungsgericht, der Neudefinition des wirtschafts und föderalismuspolitischen Kompetenzverhältnisses zwischen Bund und Provinzen und des Procedere für Verfassungsänderungen stand insbesondere die Stellung Québecs in der Konföderation im Zentrum der Debatte.

August 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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