Ausgabe August 1990

Multikulturelle Identität:

Das kanadische Exempel in der Zerreißprobe

Mit dem Scheitern der kanadischen Verfassungsergänzung, die u.a. der französischsprachigen Provinz Québec einen "gesonderten Status" in Kanada zugesteht, steht die Einheit des zweitgrößten Flächenstaates der Welt vor ihrer bislang schwersten Belastungs-, ja Zerreißprobe. Das sogenannte Meech Lake Constitutional Accord, das bereits im Juni 1987 zwischen den kanadischen Regierungschefs des Bundes und der zehn Provinzen auf dem Wege informeller Politik ausgehandelt worden war und der Ratifizierung seitens des Bundesparlamentes sowie der Provinzparlamente bis zum 23. Juni 1990 bedurfte, ist am Einspruch der Provinzen von Manitoba und Neufundland gescheitert, die diese Frist verstreichen ließen. Die Kontroversen um und das letzendliche Scheitern von Meech Lake spiegeln dabei die Diskussionslinien innerhalb der verfassungspolitischen Auseinandersetzungen in Kanada seit Ende der 60er Jahre wider. Neben Fragen der Reform von Senat und Verfassungsgericht, der Neudefinition des wirtschafts und föderalismuspolitischen Kompetenzverhältnisses zwischen Bund und Provinzen und des Procedere für Verfassungsänderungen stand insbesondere die Stellung Québecs in der Konföderation im Zentrum der Debatte.

August 1990

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