Ausgabe Januar 1990

Bunte Republik Deutschland?

Aspekte einer multikulturellen Gesellschaft

I

Nicht erst die hessischen Kommunalwahlen haben das Thema "multikulturelle Gesellschaft" in die Schlagzeilen gebracht. Die Auseinandersetzung über die Frage, ob und wie sich die Bundesrepublik Deutschland in Europa integrieren wird bzw. wie sie jene Menschen aufnimmt, die im Zuge der internationalen Arbeitsteilung auch aus anderen Staaten als denen der EG in die Bundesrepublik kommen, erschüttert alle politischen Parteien. Bis weit in das konservative Lager hinein haben Politiker und Politikerinnen wie die West-Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John, der Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel und der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler deutlich gemacht, daß der mit den Römischen Verträgen beschrittene Weg einer Europäisierung und Internationalisierung Westdeutschlands unumkehrbar ist. Das rot-grüne Bündnis in Frankfurt trägt diesem Umstand nun auch institutionell Rechnung. Als erste Kommune in der Bundesrepublik hat die Stadt Frankfurt ein "Amt für multikulturelle Angelegenheiten" errichtet, das die Befugnisse der vertrauten "Ausländerbeauftragten" weit überschreitet und später zum ordentlichen Dezernat ausgebaut werden wird.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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