Ausgabe November 1990

Barmherzigkeit ist nicht zu erwarten

Der Süden in der neuen Weltordnung

Die Geschichte ist zu komplex und die menschliche Gesellschaft zu vielfältig, als daß man sie mit einigen wenigen Pinselstrichen einfangen könnte.

Dennoch lassen sich Tendenzen ausmachen, wenn auch auf die Gefahr hin, viele Details und Abweichungen zu unterdrücken. Eine plausible Annahme ist, daß sich die Stellung der Dritten Welt in der "Neuen Weltordnung" nicht sehr von ihrer Stellung in der Vergangenheit unterscheiden wird. Allgemein gesprochen, können wir uns die Dritte Welt als das Herrschaftsgebiet des traditionellen westlichen Imperialismus vorstellen. Die bolschewistische Revolution schloß Rußland aus diesen Gebieten aus. Diese Tatsache bildete zusammen mit der Angst, "die Fäulnis könnte sich ausbreiten" (um in der Terminologie amerikanischer Planer zu bleiben), den Kern des Kalten Krieges, der sich zuspitzte, nachdem durch die Rote Armee von den Nazis befreite Gebiete ebenfalls unter sowjetische Tyrannei gerieten und eine Vorherrschaft des Westens dort ausgeschlossen war. Die Vereinigten Staaten gingen aus dem Zweiten Weltkrieg in einer Position der globalen Hegemonie hervor, die keine Parallele in der Geschichte hat.

Es ist nicht überraschend, daß sich die USFührungsschicht daran machte, eine Weltordnung zu errichten, die Staats- und Unternehmensinteressen entgegenkam.

November 1990

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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