Ausgabe Oktober 1990

Ihr trefft auf eine geschulte Männergesellschaft...

Alice Schwarzer im Gespräch mit Gislinde Schwarz

Was geschieht, wenn Frauen-West und Frauen-Ost zusammenkommen? Welche unterschiedlichen Erfahrungswelten und gemeinsamen Betroffenheiten stoßen da aufeinander? Wer lernt von wem? - Solchen Fragen galt das folgende Gespräch, das Gislinde Schwarz, Redakteurin der Ostberliner Frauenzeitschrift "Für Dich", mit Alice Schwarzer, Gründerin und Herausgeberin des Frauen-Magazins "Emma" in Köln führte. Eine Kurzfassung erschien in "Für Dich" im August des Jahres. Wir veröffentlichen hier eine ausführliche Fassung und danken beiden Gesprächspartnerinnen, die den Text für die "Blätter" überarbeitet haben. D. Red.

Gislinde Schwarz: Nun kommen wir also zusammen, die Frauen aus der BRD und die aus der DDR. Beide mit bisher sehr unterschiedlichen Bedingungen und Ansprüchen. Was bedeutet das aus deiner Sicht - für die einen und für die anderen?

Alice Schwarzer: Euch trifft die geballte Ladung Reaktion auf zwanzig Jahre Feminismus, also zwanzig Jahre Antifeminismus. Aber ihr hattet nicht mal ein Jahr Zeit zu einer Öffentlichen feministischen Auseinandersetzung. Wir - und zwar nicht nur die paar tausend oder zehntausend Aktivistinnen, sondern Millionen Frauen in der BRD - sind mit unserem Unmut, unserem Unbehagen, unserer Wut seit Jahrzehnten in die Öffentlichkeit getreten und konnten dies.

Oktober 1990

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Sheinbaum versus Trump: Glücksfall für Mexiko?

von Anne Haas

Ist es ein gutes Zeichen, heutzutage von US-Präsident Donald Trump gelobt zu werden? Diesen „Ritterschlag“ erhielten bisher nur männliche Rechtspopulisten wie Javier Milei, Nayib Bukele oder Jair Bolsonaro. Dass nun der als links geltenden mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum diese Ehre gleich mehrmals zuteilwurde, hat auch die internationale Presse bewegt.