Ausgabe September 1990

Afrika vor der demokratischen Frage

Die Krise Afrikas wird nun schon seit Jahren beschworen, und das Scheitern der Entwicklungsmodelle unterschiedlichster Orientierung kann mittlerweile als feste Größe gelten. Die Gründe sind vielfältig, doch an erster Stelle dürfte neben der in vielen Fällen drastischen Verschlechterung der Außenhandelsbedingungen bis hin zur unfreiwilligen Abkoppelung vom Weltmarkt die offenkundige Verschwendung von Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten stehen. Für die meisten Länder des Kontinents scheint der Weg zum Armenhaus der Welt, zum Objekt internationaler Sozialpolitik der reichen Metropolitanstaaten auf absehbare Zeit vorgezeichnet.

Dennoch kann man von einer Welle des Wandels sprechen, die den Kontinent ganz offensichtlich erfaßt hat. Dieser Wandel reicht weit hinaus über die Schleifung des letzten Vorpostens der Apartheid mit der Unabhängigkeit Namibias und selbst über die sich abzeichnende Möglichkeit einer Mehrheitsregierung in Südafrika. In Ländern wie Gabun, Elfenbeinküste oder Kenia fordern Massenbewegungen demokratische Rechte ein. Andernorts wird, wie in Tansania, das jahrzehntelang nicht mehr hinterfragte Einparteiensystem von den Regierenden selbst zur Disposition gestellt. Diese Entwicklungen sind für uns Anlaß, verstärkt nach der Allgemeingültigkeit demokratischer Prinzipien, von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheitsrechten zu fragen.

September 1990

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema