Ausgabe September 1990

Afrika vor der demokratischen Frage

Die Krise Afrikas wird nun schon seit Jahren beschworen, und das Scheitern der Entwicklungsmodelle unterschiedlichster Orientierung kann mittlerweile als feste Größe gelten. Die Gründe sind vielfältig, doch an erster Stelle dürfte neben der in vielen Fällen drastischen Verschlechterung der Außenhandelsbedingungen bis hin zur unfreiwilligen Abkoppelung vom Weltmarkt die offenkundige Verschwendung von Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten stehen. Für die meisten Länder des Kontinents scheint der Weg zum Armenhaus der Welt, zum Objekt internationaler Sozialpolitik der reichen Metropolitanstaaten auf absehbare Zeit vorgezeichnet.

Dennoch kann man von einer Welle des Wandels sprechen, die den Kontinent ganz offensichtlich erfaßt hat. Dieser Wandel reicht weit hinaus über die Schleifung des letzten Vorpostens der Apartheid mit der Unabhängigkeit Namibias und selbst über die sich abzeichnende Möglichkeit einer Mehrheitsregierung in Südafrika. In Ländern wie Gabun, Elfenbeinküste oder Kenia fordern Massenbewegungen demokratische Rechte ein. Andernorts wird, wie in Tansania, das jahrzehntelang nicht mehr hinterfragte Einparteiensystem von den Regierenden selbst zur Disposition gestellt. Diese Entwicklungen sind für uns Anlaß, verstärkt nach der Allgemeingültigkeit demokratischer Prinzipien, von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheitsrechten zu fragen.

September 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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