Ausgabe April 1991

Medienkriegsgeschichte II.

Bedingungslose Kapitulation

Der amerikanische Krieg gegen die Medien, eigene inklusive, der die militärische Operation gegen den Irak begleitete, war ebenso erfolgreich wie die Schlacht selbst; er endete nicht nur mit einer bedingungslosen Kapitulation, sondern diese wurde vom Sieger als Bestätigung und offene Demonstration neuerlangter unbeschränkter Macht gefeiert.

Gewiß kann man nicht sagen, der Krieg sei von den US-Medien durch unpatriotische Sachlichkeit behindert worden - im Gegenteil. Je mehr Reporter und Moderatoren unter die züchtigende Zensur gerieten, um so größer wurde überraschenderweise ihre Bereitschaft zur Anpassung an die verordnete Euphorie. Und trotzdem hat die Militärführung am Golf sie von Anfang an als ihre Feinde betrachtet und behandelt.

Genauso wie die Elitetruppen der "moralischen Pygmäe" (so ein Offizier im NBC-Fernsehprogramm) Saddam Hussein durch ein großes und geschickt eingefädeltes Täuschungsmanöver am Rückzug gehindert worden waren, so wurden auch die Berichterstatter, die sowieso nur in einem "Pool" unter Aufsicht arbeiten durften, obendrein systematisch an der Nase herumgeführt. Sie seien immer wieder zum selben Ort gebracht worden, in die Wüste, wo es bekanntlich überall gleich aussieht, so verkündete General Schwarzkopf schon Stunden nach der Waffenruhe auch diesen Sieg.

April 1991

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