Ausgabe August 1991

Vom magischen Viereck zum ökologisch-sozialen Fünfeck.

Alternativen zum Stabilitäts- und Wachstumsgesetz

Die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Perspektiven stellen sich im vereinigten Deutschland in einer ambivalenten Weise dar: Fortschritt und Rückschritt gehen eine eigentümliche Symbiose ein.

So ist es für die Menschen in den neuen Bundesländern zweifellos mit konkreten Verbesserungen verbunden, wenn entwickelte westliche Umweltstandards eingeführt werden. Überfällige Sanierungen der im ruinösen "real existierenden Sozialismus" besonders geschundenen Umwelt sollen in Angriff genommen werden. Einzelne Schadstoffemissionen werden reduziert, indem beispielsweise die Braunkohlenutzung zugunsten des Erdgases abgebaut wird. Doch eine Dialektik des Fortschritts ist es nicht, die sich da abzeichnet.

Denn die partikulare Rationalität ökologischer Fortschritte droht neutralisiert zu werden: In rasanter Geschwindigkeit wird der Bevölkerung in der ehemaligen DDR ein expansives, emissionsträchtiges Gesamtsystem aufgepfropft. Es kommt im Gewande der bunten Warenökonomie daher und äußert sich in der Konsequenz in anschwellenden Müllawinen und ihren giftigen Dioxincocktails, in einem immer mehr Kohlendioxyd und Stickoxyd ausstoßenden Individualverkehr, in landschaftszerstörendem Straßenbau und womöglich in ökologischen Zeitbomben in Gestalt von neuen Atomkraftwerken.

August 1991

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema