Ausgabe September 1991

Über Deutschland nach Europa?

Zur aktuellen Situation der deutsch-polnischen Beziehungen

Mit dem Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni d.J. (Wortlaut in "Blätter", 8/1991, S. 1000-1011) sin d die deutsch-polnischen Beziehungen in ein neues Stadium getreten. Die Grenzfrage erscheint als endlich und endgültig offiziell geklärt. Jetzt stehe, heißt es in Bonn, eine der deutsch-französischen Aussöhnung vergleichbare umfassende Verbesserung der Beziehungen auch mit dem östlichen Nachbarn der größer gewordenen Bundesrepublik auf der Tagesordnung. Die ausgeklammerten, weil kontrovers gebliebenen und auf beiden Seiten weiter schwelenden Fragen - Minderheitenrechte und Entschädigungszahlungen beispielsweise demonstrieren ebenso wie Situation und politisches Klima an der neuen Ostgrenze der Bundesrepublik, daß "gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit" bislang schöne Worte bleiben. Dabei wäre es in der Tat Ausweis der überfälligen Abkehr deutscher Außenpolitik von der unter Bonner wie unter Weimarer Auspizien gepflegten ostpolitischen Doppelbödigkeit, wenn Bonn oder Berlin mit Warschau künftig umgehen würden wie mit Paris und wenn an der Odergrenze wirklich Verhältnisse wie an der deutsch-französischen Grenze einzögen.

September 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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