Ausgabe Dezember 1992

Gleichstellung weiterdenken

Perspektiven feministischer Politik

1. Entstehung der Gleichstellungspolitik in den 80er Jahren und die Ziele der Frauenbewegung

Der Impuls und die Dynamik für die Entstehung und Entwicklung von Gleichstellungspolitik - so lautet die erste These - kam aus der westdeutschen Frauenbewegung und zwar als Folge des Wirkens ihrer beiden Hauptflügel, dem autonomen und dem integrativen Politikund Strategieansatz. Aus dieser Perspektive werden die Überlegungen zur Gleichstellungspolitik im folgenden entfaltet. Die Entwicklung der (westdeutschen) Frauenbewegung in den 80er Jahren war durch eine wachsende Differenzierung und eine Relativierung der Spaltung zwischen zwei (vermeintlich) entgegengesetzten politischen Ansätzen gekennzeichnet, die sich zuvor in deutlicher Ab- oder gar Ausgrenzung gegeneinander befanden: auf der einen Seite die autonom-separatistische Politik und ihre Betonung einer ontologisch, historisch oder politisch begründeten weiblichen Anderen, das sexuelle und kulturelle Sein der Frau zu einem zentralen Angelpunkt von Befreiungsstrategien machend; auf der anderen Seite die (autonom-)integrative Politik der Veränderung von Institutionen und Strukturen, der Überwindung geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung und Orientierung auf Gleichheit der Geschlechter, der Betonung des sozialen Seins der Frau und der Perspektive der gleichen Rechte und Lebensmöglichkeiten.

Dezember 1992

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.