Ausgabe März 1992

Keine Demokratie für die Feinde der Demokratie?

Algeriens Dilemma im Umgang mit dem islamischen Fundamentalismus

Algerien war eines der wenigen Länder des Südens, die sich aus eigener Kraft vom Kolonialismus befreien konnten (nach 8jährigem Krieg mit über einer Million Toten anerkannte Frankreich im März 1962 die Souveränität des Landes). Lange Zeit galt Algerien aufgrund seiner durch den Export von Erdöl gestützten Erfolge im Bildungs- und Gesundheitswesen als Vorbild eines eigenständigen Entwicklungsweges und als Hoffnungsträger der unabhängig werdenden Staaten der Dritten Welt. Die Herausforderungen, vor denen die Erben der algerischen Revolution stehen, haben sich nach Jahren der Krise (vgl. hierzu den grundlegenden Beitrag von Sabine Kebir, Zwischen Fundamentalismus und Moderne. Der "algerische Weg" in der Krise, in: "Blätter", 12/1988, S. 1476 ff.) inzwischen dramatisch zugespitzt. Folgt dem ehemals laizistischen Einparteienstaat des "algerischen Sozialismus" die Demokratisierung? Oder die Machtübernahme eines islamischen Fundamentalismus, der auf Theokratie statt Demokratie hinausläuft? Der nachfolgende Beitrag von Sigrid Faath und Hanspeter Mattes, beide Wissenschaftler am Deutschen Orient-Institut in Hamburg, bezieht unmißverständlich Position gegen die Freigabe des Weges in Scharia und "Gottesstaat" im Namen einer Demokratisierung (vgl. auch "Dokumente zum Zeitgeschehen" im vorliegenden Heft).

März 1992

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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