Ausgabe März 1992

Konversionschaos in Rußland

Probleme des Übergangs von der Rüstungs- zur Zivilproduktion

Die nachsowjetischen Republiken stöhnen unter der Übermilitarisierung als der wohl schwersten Erblast der Sowjetökonomie. Die Aufzählung der Konversionsgründe gleicht einem Schachmatt für die Rüstungsindustrie. Unerträgliche Defizite im Staatsbudget, die angespannte Lage auf dem Konsumgütersektor, der Unwille der Bevölkerung, die Rüstungslast weiter zu tragen, die durch die Rüstungspriorität mitverursachten Wachstumsgrenzen, die anstehende Militärreform und Abrüstungsverpflichtungen, Einschränkungen in den Rüstungsexporten, die Erwartung, durch Konversionsprodukte die Terms of trade verbessern zu können, und schließlich die Erkenntnis, daß die Demokratisierung der Gesellschaft nur bei gleichzeitiger Demilitarisierung gelingen kann, verdammen die Rüstungsökonomie geradezu zur Schrumpfung. Im folgenden Beitrag wird eine Zwischenbilanz der Konversionsbemühungen unter Gorbatschow gezogen, ein Streiflicht auf den "wilden Kapitalismus" ? la russe geworfen und die Notwendigkeit zur (auch internationalen) Kontrolle der postsowjetischen Rüstungsindustrie beleuchtet.

Konversion von oben

Das Stichwort Konversion entfaltete in der Sowjetunion seit 1987 seinen geradezu unwiderstehlichen Charme. Medienwirksame Präsentationen erweckten den Eindruck, die Konversion der sowjetischen Rüstungsindustrie könne die Perestroika retten.

März 1992

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema