Ausgabe September 1992

Kambodscha: Kein einziges Problem ist gelöst

Phnom Penh, August 1992, zehn Monate nach der Unterzeichnung der Friedensverträge in Paris. Der Sprecher von Yasushi Akashi, dem Leiter der UNO-Aktion, gibt bekannt, daß zum siebtenmal ein weiß gestrichener Hubschrauber mit dem UN-Emblem beschossen wurde, als er eine von den Roten Khmer kontrollierte Zone überflog. In einem Dorf der Provinz Kampot wurden acht Menschen, darunter ein kleines Kind, auf besonders grausame Weise massakriert. Alle waren Vietnamesen. Auf der Nationalstraße 6, die von Kompong Thom nach Siem Reap führt, haben die Roten Khmer erneut Minen gelegt. In den Zonen, in denen zwischen 1970 und 1975 sowie seit 1979 häufig Kämpfe stattfanden (Kompong Speu, Kompong Som, Kampot, Takeo, Kompong Thom, Prah Vihaar), mehren sich die Zusammenstöße zwischen Roten Khmer und Regierungstruppen. Jeden Tag fordert der "Frieden" Tote, Verwundete und Flüchtlinge.

In Phnom Penh sind die Straßen durch die vielen Autos verstopft, die dem privaten Transport der UNO-Mitglieder dienen. Die Preise schnellen in die Höhe, der schwerfällige Apparat der UNO kommt langsam in Gang und führt die in Manhattan üblichen bürokratischen Methoden an den Ufern des Tonle Sap ein. Frauen und Männer aus allen Kontinenten bemühen sich unter dem Banner der UNO mit sehr viel gutem Willen, einem Friedensplan zum Erfolg zu verhelfen, der in vieler Hinsicht unvollkommen ist.

September 1992

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