Ausgabe September 1992

Schonprogramm

Ein langsamer, ganz langsamer Schwenk in Richtung links. Ein größerer Raum erschließt sich dem Blick. Er ist rechteckig, hat gegenüberliegende Doppeltüren, an einer Längsseite ist eine Art Galerie, zu der eine Treppe hinauf- und von der eine zweite wieder herabführt - oder umgekehrt. Was da oben ist, verdeckt eine Sperrholzwand. Gegenüber hängen große Bilder: mit unregelmäßig aufgetragenen, eher blassen Farbtönen ausgefüllte Rechtecke. Sie sind gerahmt und verglast, manchmal spiegelt sich in ihnen eine der Treppen.

In der Mitte des Raums: einige Holzmöbel und eine Art ambulanter Toilette in Form eines Metall- oder Plastik- Containers, auf dessen Dach kurioserweise zwei Lautsprecher mit geschwungenen Schallhörnern angebracht sind. Die Kamera macht unermüdlich immer wieder aufs neue den 360-Rundschwenk und braucht dafür jedesmal exakt 4 Minuten 45 Sekunden. Sie steht nicht in der Mitte des Raums, so daß die Bilderwand immer wieder sehr nahe kommt. Für einige Sekunden füllt dann die weiße Wandfläche zwischen zwei Bildern den ganzen Bildschirm, was eine Art Anfangs- und/oder Endpunkt für die ewig wiederkehrende Abfolge sein könnte.

September 1992

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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