Ausgabe September 1992

Schonprogramm

Ein langsamer, ganz langsamer Schwenk in Richtung links. Ein größerer Raum erschließt sich dem Blick. Er ist rechteckig, hat gegenüberliegende Doppeltüren, an einer Längsseite ist eine Art Galerie, zu der eine Treppe hinauf- und von der eine zweite wieder herabführt - oder umgekehrt. Was da oben ist, verdeckt eine Sperrholzwand. Gegenüber hängen große Bilder: mit unregelmäßig aufgetragenen, eher blassen Farbtönen ausgefüllte Rechtecke. Sie sind gerahmt und verglast, manchmal spiegelt sich in ihnen eine der Treppen.

In der Mitte des Raums: einige Holzmöbel und eine Art ambulanter Toilette in Form eines Metall- oder Plastik- Containers, auf dessen Dach kurioserweise zwei Lautsprecher mit geschwungenen Schallhörnern angebracht sind. Die Kamera macht unermüdlich immer wieder aufs neue den 360-Rundschwenk und braucht dafür jedesmal exakt 4 Minuten 45 Sekunden. Sie steht nicht in der Mitte des Raums, so daß die Bilderwand immer wieder sehr nahe kommt. Für einige Sekunden füllt dann die weiße Wandfläche zwischen zwei Bildern den ganzen Bildschirm, was eine Art Anfangs- und/oder Endpunkt für die ewig wiederkehrende Abfolge sein könnte.

September 1992

Sie haben etwa 26% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 74% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.