Eigentlich schlechte Zeiten für Konservative - die Champions unter den Besitzstandswahrern -, wenn alles anders werden muß (und sei es, damit alles beim alten bleibt). Am Pranger steht über Nacht, wessen der Wohlstandsbürger sich so lange in aller Unschuld freuen durfte: Das Haben- und Mehrhabenwollen, das Besitzstandsdenken eben, die einst erfolgreiche CDU-Wahlkampfparole "Keine Experimente", vertraute Gewohnheiten, mehr oder weniger wohlerworbene Rechte und Ansprüche - lauter "Werte", die in der alten Bundesrepublik immer wieder Konservativen und Liberalen die Wähler zutrieben (Erhard: "Wohlstand für alle") und für die Adenauers Enkel plötzlich nur noch Hohn und Spott übrig haben... Standortdebatte heißt das erstaunliche Schauspiel. Der Berg hat gekreißt. Monatelang vorangekündigt, nach Versuchsballons, Vorentwürfen, die eilig wieder kassiert wurden, amtlicher Heimlichtuerei liegt die Maus auf dem Tisch: der "Bericht der Bundesregierung zur Zukunftssicherung des Standortes Deutschland", 110 Seiten, vorgelegt von Wirtschaftsminister Rexrodt am 2. September (im folgenden zitiert: Rexrodt). Worum es im Kern geht, steht allerdings präziser in der Vorlage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V., dem einen Monat zuvor veröffentlichten Papier "Produktionsstandort Deutschland" (Köln, August 1993, 52 Seiten).
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.