Ausgabe April 1994

Konstellationen kollektiver Sicherheit zwischen Vancouver und Wladiwostok

1. Hauptmerkmale kollektiver Sicherheit

Das Ende des Ost-West-Konflikts hat die Welt verändert. Die berechtigten Hoffnungen, daß in Europa nun ein Zeitalter der Demokratie, der Einheit und des Friedens anbrechen würde, sind bislang enttäuscht worden. Die Prognose vom "Ende der Geschichte" 1), gekennzeichnet durch den weltweiten Sieg von Demokratie und Marktwirtschaft, hat sich ebenso als voreilig erwiesen wie das sich anschließende düstere Szenario vom Zusammenprall der Zivilisationen 2). Hinsichtlich der sicherheitspolitischen Lage in Europa kann zunächst dreierlei konstatiert werden:

1. Krieg ist in Europa wieder eine Realität.

2. Da die alte Sicherheitsordnung nicht mehr existiert, muß eine neue aufgebaut werden.

3. Das Ende des Kalten Krieges bietet die seltene Gelegenheit für einen grundlegend anderen konzeptionellen Zugang zur Gestaltung europäischer Sicherheit. Nach dem Ende der Blockkonfrontation sollte sich dieser neue Zugang - so der Ansatz dieses Artikels - an der Zielperspektive einer Europäischen Sicherheitsgemeinschaft (ESG) orientieren, die ein regionales System Kollektiver Sicherheit darstellt (SKS).

Ohne an dieser Stelle im einzelnen auf die normativen, institutionellen und organisatorischen Spezifika eines derartigen Sicherheitssystems einzugehen 3), seien fünf wesentliche Merkmale erwähnt.

April 1994

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