Ausgabe August 1994

Micro und soft

Die Kids sind im Kommen im Hollywoodfilm, und vielleicht ist das ja ein Schritt hin zu einem neuen Realismus, denn wenn seine Helden schon das geistige Reflexionsniveau und die Bedürfnisstrukturen von Kindern haben, dann ist es vielleicht glaubwürdiger, die Elfjährigen selber ran zu lassen. Preston ist so einer, und mit ihm wird das alte Spiel vom Bauern als König durchexerziert. Ein Blank Check (so heißt der Film von Rupert Wainwright, deutscher Verleihtitel Mac Millionär), den er sich selber über eine Million Dollar ausstellt, erlaubt ihm, die Geburtstags-Wunschliste abzuhaken: ein eigenes Haus, in dem nicht die Regeln des modern erziehenden Vaters gelten, und jede Menge Spielzeug muß her. Das erledigt der die EDV wie einen Brummkreisel beherrschende Junge über den Computer, der zugleich eine juristische Person hergeben muß mit Namen Macintosh (100 Minuten Werbung für Apple).

Damit erklärt werden kann, warum die Bank den Scheck anstandslos einlöst, und damit action ins Spiel kommen kann, gibt es auch noch eine Gangstergang, die die Million eigentlich "waschen" lassen wollte, und den Bankdirektor, der dies tut, weil ihm die Diskretion über seine Machenschaften soviel wert ist, sowie jede Menge Zufälle.

Schließlich gehört auch die Staatsmacht dazu in Gestalt einer FBI-Agentin, mit der auch eine kleine Liebesgeschichte abgedeckt werden kann.

August 1994

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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